Shiny Object Syndrome: Warum dein Lieblingsmodell dich gerade arm macht
Shownotes
KI-Kosten explodieren? Opus 4.7 zerstört deine Workflows? GPT 5.5 braucht neue Prompts? DeepSeek attackiert mit Spottpreisen? Barbara und Jochen packen aus: Warum die meisten User mit Shiny Object Syndrome die Faulheit der Modelle teuer bezahlen — und wie echte KI-Profis ihre Kosten halbieren. Plus: Warum DeepSeeks Attention-Mechanismus eleganter ist als alles, was die Amis gebaut haben, und was das bedeutet, wenn China bald auf Huawei trainiert. Und ja, Babsis Geheimnis ist gelüftet: Sie arbeitet nicht ineffizient — ihr Modell-Matching ist einfach handwerklich sauber.
In dieser Episode besprochen
Kapitelübersicht
- [00:01:15] Shiny Object Syndrome: Warum KI-Kosten explodieren
- [00:06:48] Modell-Matching: Von klein nach groß skalieren
- [00:09:50] Claude Opus 4.7: Was sich wirklich geändert hat
- [00:15:25] Task Budgets und Adaptive Thinking
- [00:17:50] Problem-Data-Model-Match: Das Grundprinzip
- [00:26:25] GPT 5.5: Neues Modell, neuer Prompting Guide
- [00:31:45] Modell-Matrix: Wann welches Modell?
- [00:37:35] DeepSeek V4: Open Source, Huawei-Chips, Spottpreise
- [00:42:55] DeepSeeks Attention-Kompression: Long Context gelöst
- [00:53:50] Gemini unterschätzt — Multi-Model sinnvoll?
- [00:56:25] Enterprise: Evaluations-Plattformen und KI in Prod
Wichtige Konzepte
- Shiny Object Syndrome: Der reflexartige Griff zum größten Modell — verbrennt Token und Geld.
- Problem-Data-Model-Match: Das Problem muss zu deinen Daten und zum Modell passen.
- Task Budgets (Opus 4.7): Token-Limit pro Task — neu im Opus 4.7, oft übersehen.
- Adaptive Thinking: Neuer Thinking Mode im Opus 4.7, drastisch anders als 4.6.
- Attention-Kompression (DeepSeek): Alte Information komprimiert, neue priorisiert — macht Long Context praktikabler.
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Transkript anzeigen
00:00:00: [E-Fuchs] So, hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge deines KI-Lieblingspodcasts, LAIer 8|9. Hallo Barbara.
00:00:09: [Barbara Lampl] Hallo Jochen.
00:00:10: [E-Fuchs] Da sind wir wieder, und es ist wahnsinnig viel passiert.
00:00:13: [Barbara Lampl] Ja.
00:00:14: [E-Fuchs] Die Zahnfee war bei uns.
00:00:15: [Barbara Lampl] Die Zahnfee war bei euch? Okay. Hä?
00:00:19: [E-Fuchs] Ja, nee, darüber möchte ich natürlich nicht mit dir weiter sprechen, auch wenn ich das immer wieder faszinierend finde. Im letzten Jahr habe ich übrigens
00:00:30: unseren Weihnachtswichtel KI-betrieben gemacht, weil ich beim ständigen abendlichen Briefe-an-die-Kinder-Zurückschreiben den Überblick verloren habe —
00:00:37: was habe ich überhaupt schon erzählt, was hat der Wichtel alles in seiner Personality, bevor ich alles durcheinander bringe.
00:00:46: [E-Fuchs] Habe ich das in ein KI-Projekt überführt. Aber lass uns vom Zahnfee und Weihnachtswichtel zu anderen Wichteln kommen — den Wichteln in den KI-Laboren.
00:01:01: Da hat sich jede Menge getan. Ich bin hauptsächlich auf Claude. Mir ist natürlich Opus 4.7 gleich über den Weg gelaufen.
00:01:15: [E-Fuchs] Was mich im Moment so ein bisschen umtreibt, ist das Thema Kosten. Das ist ein bisschen schwer für mich einzuschätzen, weil ich mehr mache. Dementsprechend
00:01:21: kostet es natürlich auch mehr. Aber er arbeitet auch mehr, er verbraucht mehr Token, und es kostet mehr — wie kann das denn sein? Trotzdem habe ich irgendwie
00:01:28: das Gefühl, dass ich schneller in den Seilen hänge, was die Limits angeht, als es früher der Fall war.
00:01:34: [E-Fuchs] Und nicht nur mit dem neuen 4.7, sondern auch beim alten. Ich musste jetzt Max auf 200 Dollar upgraden, damit ich noch vernünftig arbeiten kann. Ich habe
00:01:44: gesehen, bei Claude haben sie so Schätzungen, die sie in den Docs veröffentlichen. Da sagen sie: „Pass auf, am Entwicklertag kostet euch Claude
00:01:53: bei durchschnittlicher Anwendung 6 Dollar." Stand irgendwie Anfang des Monats noch drin, jetzt stehen gerade 13 US-Dollar drin.
00:02:00: [E-Fuchs] Und man fragt sich natürlich, wenn diese ab... wenn die abgefahren werden — was nutze ich denn jetzt? Was hat sich verändert, und was machen die Brüder bei
00:02:12: diesen Updates eigentlich genau? Weil es geht ja nicht mehr nur darum, jetzt das bessere Modell zu machen und besser zu trainieren, sondern die leben ja alle in
00:02:24: Hochlastszenarien. Egal, ob es jetzt OpenAI ist oder Anthropic, was auch immer.
00:02:30: [E-Fuchs] Ich vermute, und viele andere auf Reddit vermuten es auch, dass da viel an Performance getweakt wird, und das eine oder andere, was früher mal ganz gut
00:02:39: funktioniert hat, jetzt ein bisschen schlechter funktioniert, weil es mehr Token frisst. I don't know. Klär uns doch mal auf.
00:02:46: [Barbara Lampl] Das sind viele Fragen und Erkenntnisse. Womit fangen wir an?
00:02:50: [E-Fuchs] Vielleicht fangen wir mal mit einem Überblick über die Neuerungen in letzter Zeit an, oder? Was ist gerade frisch rausgekommen?
00:02:57: [Barbara Lampl] Okay, ich würde ein bisschen woanders anfangen. Ich glaube, das macht mehr Sinn. Du hast genau das erzählt, was mir momentan alle erzählen: Ich laufe ständig in
00:03:04: meine Limits rein, ich muss meinen Account erhöhen. Ich habe doch mal mit 20 Dollar angefangen, dann habe ich mehr getan, dann brauchte ich den
00:03:12: 100-Dollar-Account, und jetzt bin ich im Limit meines 200-Dollar-Accounts. Ich kann da nicht ganz so relaten.
00:03:17: [E-Fuchs] Du arbeitest zu wenig.
00:03:18: [Barbara Lampl] Wer weiß, vielleicht ist es das. Jetzt ist es raus: Liebe Zuhörergemeinde, Barbara sei eine faule Socke und arbeite gar nicht den ganzen Tag. Ich laufe
00:03:24: trotzdem irgendwie. Vielleicht ist diese These falsch und ich laufe trotzdem nicht die ganze Zeit in Tokenlimits rein. Was ist denn hier los?
00:03:31: [E-Fuchs] Sie arbeitet einfach nur... genau. Verrate uns dein Geheimnis, Barbara.
00:03:36: [Barbara Lampl] Okay, ich verrate euch mein Geheimnis. Ich habe kein Shiny Object Syndrome. Das Shiny Object Syndrome ist schlicht und einfach, dass du, egal in welchem Tool du
00:03:46: arbeitest, das Neueste und immer das scheinbar größte und beste Modell verwenden musst.
00:03:52: [Barbara Lampl] Wenn ich mir Logs ziehe von den Anwendungen unserer Kunden — wo ich übrigens nicht sehe, was geprompted wird, was manchmal ein bisschen nervig ist, weil
00:04:02: meine Analyse natürlich doof ist, wenn ich nicht sehe, was geprompted wird — sehr wohl aber, welche Modelle benutzt worden sind, Anzahl der Input-Token,
00:04:12: Anzahl der Output-Token, ob Reasoning-Tokens für diese Aufgaben benutzt worden sind. Und ab und an kann ich das eine oder andere Gespräch im Nachgang führen:
00:04:22: Was war denn diese Aufgabe, die wir da gestern gemacht haben, die so viel Token gekostet hat?
00:04:30: [Barbara Lampl] Dann sehe ich definitiv das Shiny Object Syndrome. Insbesondere, wenn du die Wahl hast, ein Modell auszusuchen, dann hast du definitiv Shiny Object Syndrome.
00:04:40: Wenn du das neueste Modell hast, das wird immer am meisten Token fressen — besonders in den Accounts, wo du nicht hardcore tokenbasiert abgerechnet bist.
00:04:50: Also alles da, wo ihr 20, 100, 200 Dollar quasi Prepaid-Abo habt, bist du nicht ganz so tokenbasiert wie zum Beispiel im Enterprise-Account, wo du eine Fee für
00:05:02: deinen Sitzplatz hast. Du kaufst dir einen Sitz, und dann werden die Tokens noch zusätzlich abgerechnet. Da hast du auch kein wirkliches Limit, außer die Firma
00:05:13: gibt eins vor.
00:05:15: [Barbara Lampl] Bei diesen Analysen sehe ich immer wieder, und auch wenn wir kleine Vergleiche machen — wie arbeitet die Frau Lampl und wie arbeitet der Rest — dann hat das
00:05:26: damit zu tun, dass ich sehr spezifisch bin, welches Modell ich für was einsetze, wie ich meine Modelle einsetze, welchen Kontext ich verwende, welche Prompts ich
00:05:36: verwende, welche Art des Promptens. Und jetzt sind wir an einem Punkt, wo Shiny Object und mittelmäßig gut dich massiv mehr kostet.
00:05:45: [Barbara Lampl] Die Kosten steigen. Handwerklich sauber gemacht können die Kosten auch steigen, aber damit steigt die Qualität des Outputs und der Output an sich. Das steht
00:05:53: völlig in Relation und nicht in einem „Die Kosten schießen nach oben". Die 6 Dollar am Tag sind jetzt 13 Dollar — das ist ein Preisanstieg. Die Frage ist:
00:06:04: Wenn ich dafür auch wirklich massiv mehr bekomme, wenn eine Codebase 130 Dollar wert ist, dann wäre das relativ egal. Wenn dem nicht so ist, dann habe ich ein
00:06:14: Problem.
00:06:15: [Barbara Lampl] Und wir sind jetzt angesichts der drei großen neuen Modellreleases, die wirklich relevant und interessant sind, an dem Punkt, dass wir sehr viel stärker sehen —
00:06:25: und das wird sich auch in den Bilanzen der Firmen relativ zeitnah niederschlagen: Haben Sie Ihre Hausaufgaben gemacht und wissen Ihre
00:06:33: Mitarbeitenden, was Sie da tun? Oder nutzen die Mitarbeitenden einfach Shiny Object — immer das größte, scheinbar beste Modell für ihre Aufgabe — und brennen
00:06:43: damit Token-Kosten nach oben durch und zünden das Unternehmen an? Definitiv.
00:06:48: [E-Fuchs] Muss man da voll auf die KI-Kompetenz der Mitarbeiter vertrauen, oder gibt es manchmal auch Wege, einfach Modellnutzung vorzugeben? Das habe ich nämlich
00:06:57: persönlich noch gar nicht probiert. Ich überlege gerade — beispielsweise, ein Skill, der eine API-Anbindung als Python-Script enthält und ziemlich spezifische
00:07:07: Anweisungen dazu, wie die Daten zu übertragen sind. Hier muss ich ja nicht mit Opus durchschießen.
00:07:14: [Barbara Lampl] Das kleinste Modell ist Haiku. Das ist genau das. Zum Beispiel in Claude Enterprise oder fast allen Tools kannst du ein Default-Modell voreinstellen.
00:07:21: Dann ist das, was hinterlegt ist. Die Default-Modelle sollten eigentlich immer das kleinste Modell sein. Damit erhöht sich schon mal der Aufwand zu ändern,
00:07:29: beziehungsweise es triggert zumindest schon mal — sowohl bei dir selber als auch bei den Mitarbeitern. Wenn der immer auf dem größten Modell läuft, sollte das
00:07:38: Default-Modell das kleinste sein.
00:07:40: [E-Fuchs] Okay, das heißt, man skaliert von unten hoch. Ich versuche den Task erst mal mit dem kleinsten verfügbaren Modell zu tackeln, wenn das Ergebnis zufriedenstellend
00:07:53: ist. Nein?
00:07:55: [Barbara Lampl] In einem Phasenmodell. Und jetzt kommt es darauf an: Wo ist der Grad der Maturity bei deiner Nutzung? Beim ersten Lauf könntest du erst mal das größte
00:08:04: Modell anwenden, um zu gucken, ob das Ergebnis überhaupt irgendwas liefert. Wenn du gar keine Ahnung hast, würdest du in den ersten Läufen quasi im
00:08:14: Prototyping-POC-Style das Modell größer machen. Das nennen wir „überwerfen" — wir nehmen das größtmögliche Modell, um herauszufinden, ob wir die Aufgabe
00:08:21: überhaupt lösen können. Wir gehen also voll auf Performance.
00:08:25: [Barbara Lampl] Nachdem wir herausgefunden haben, dass die Performance delivert, schrauben wir den Grad immer weiter nach unten und versuchen, auf das kleinstmögliche Modell
00:08:33: zu gehen, weil wir damit auch definitiv mehr Kontrolle haben.
00:08:38: [Barbara Lampl] In Schulungsprogrammen ist es wieder andersrum. In allen unseren Schulungsprogrammen versuchen wir, so weit wie möglich immer auf
00:08:44: kleinstmöglichen Modellen zu trainieren, um das Skillset der Mitarbeitenden wirklich auch echte Skills zu bringen — die dann auf der menschlichen Seite
00:08:53: liegen und nicht auf der technischen, auf der Maschine. Sodass die Maschine weniger deine Defizite ausgleichen kann.
00:09:00: [Barbara Lampl] Aber wenn du wirklich ein Workflow nageln willst, dann nimmst du am Anfang erst mal groß, um es Stück zurückzuschrauben. Sonst ist die Gefahr, dass du eine
00:09:08: Aufgabe hast, die das Modell vielleicht wirklich noch nicht packt, und dann bist du ganz frustriert und denkst, das kann die KI nicht. Dabei war es wirklich nur
00:09:17: ein zu kleines Modell. Deswegen ist es beim ersten Lauf von groß zu klein. Und in Schulungen muss es von kleinstmöglich zu groß sein.
00:09:25: [Barbara Lampl] Auch weil man dann lernt, dass der Mensch einschätzen muss, was eine wirklich komplexe Aufgabe aus Sicht der KI ist. Das ist auch nicht immer ganz so einfach,
00:09:33: und das ist keine Fähigkeit, die klassischerweise Non-Techies mitbringen und einschätzen können — was komplex für die KI ist. Selbst hier müssen wir mal ganz
00:09:41: klar ausprobieren: Ist das jetzt eine komplexe Aufgabe, oder ist das total trivial? Da hat man natürlich über die Jahre eine Lernkurve, aber es würde so
00:09:49: rum funktionieren.
00:09:50: [E-Fuchs] Worüber ich mir so immer Gedanken mache, ist: Wenn man Skills baut — macht man sie sehr detailliert und sehr umfangreich, oder überlässt man dem Modell mehr
00:10:00: Spielraum? Da grübele ich so ein bisschen rum. Was mir aufgefallen ist: Wenn ich sorgfältig ausformulierte Skills habe, da würde eigentlich Haiku oder Sonnet...
00:10:10: Ich muss ehrlich sagen, ich bin gar nicht so viel auf Haiku unterwegs gewesen. Ich glaube, ich muss echt mal ausprobieren, ob die da auch noch laufen. Für mich
00:10:21: war das untere Ende beim täglichen Arbeiten immer Sonnet.
00:10:25: [E-Fuchs] Worauf wollte ich hinaus? Ach so, ja: Wenn ich jetzt hergehe, einen sorgfältig ausformulierten Skill habe und Opus 4.7 draufschmeiße, dann macht das Ding
00:10:35: manchmal komische Sachen. Es fängt quasi an zu denken und findet irgendeinen anderen Weg besser oder sympathischer als das, was ich vorgegeben habe — und
00:10:45: produziert mir dann tatsächlich Probleme im Workflow. Weil der Workflow eigentlich sauber läuft und auf irgendwas ausgerichtet ist, dann auf einmal
00:10:54: driftet.
00:10:55: [Barbara Lampl] Ja. Das haben sie aber auch beim Release vom Opus 4.7 gesagt. Dadurch, dass der Opus 4.7 jetzt anders ist — der hat eine andere Tokenization drin, hat ein
00:11:09: anderes sogenanntes Adaptive Thinking. Diese Veränderungen im Opus 4.7 sind relativ drastisch zum 4.6 in der Claude-Familie.
00:11:18: [Barbara Lampl] Der Effekt ist, dass für Aufgaben, die sehr stark auf Vorgaben basieren, also instruction-based, und die auch noch lastig sind in der Reihenfolge, in der sie
00:11:30: abgearbeitet werden, der Opus 4.7 dazu kreative Eigenleistung beisteuert. Insbesondere, wenn es keine Code-Aufgabe ist. Der Opus 4.7 ist sehr viel mehr
00:11:40: „Hier, das brauche ich, find deinen Weg selber dahin".
00:11:45: [Barbara Lampl] Und das ist auch genau das, warum dieses Gefühl entsteht — und auch realistisch ist —, dass du mehr Kosten hast oder die Preise nach oben gehen. Weil wenn das
00:11:55: Modell den kompletten Weg selber rausfindet, also eine Multiagent-Structure selber aufspinnt, den eigenen Weg sucht, dann braucht es natürlich tief mehr
00:12:03: Token, insbesondere die Reasoning- oder Thinking-Token, die nochmal teurer sind und mehr Rechenleistung ziehen.
00:12:08: [Barbara Lampl] Damit hast du genau diesen Effekt: Du hast Sachen — und das ist genau das, was du beschreibst. Opus 4.7 ist nicht sonderlich gut darin, sich brav an die
00:12:20: Vorgaben zu halten. Das, was im Opus 4.5 oder 4.6 sauber funktioniert hat — dass es sich an die Vorgaben hält —, bricht im 4.7. Das hat aber mit der geänderten
00:12:33: Modellarchitektur zu tun.
00:12:35: [E-Fuchs] Okay. Das habe ich auch schon festgestellt. Wenn ich, keine Ahnung, ein Konzept oder Prototypen entwickle, eine sehr ausführliche Dokumentation, und ich
00:12:43: schmeiße das dann in Sonnet rein und lasse ihn was bauen, dann macht er das relativ der Doku nach, dem Konzept nach. Wenn ich das in Opus reinwerfe, weil
00:12:54: ich denke, naja, vielleicht findet er ja noch coole andere Ideen, die ich in meinem Konzept nicht drin hatte, dann kommen halt auch echt brutale Abweichungen
00:13:03: stellenweise dabei raus.
00:13:05: [Barbara Lampl] Ja, weil Claude — das haben sie insbesondere auf der API eingeführt. Wenn ihr in die Claude-API-Docs reinguckt: Zu jedem Modell gibt es eine System Card. Wer
00:13:14: sich da wirklich tief einarbeiten will, guckt euch bitte mal die System Cards an. Die Dokumentation über die API gibt eigentlich den besten Einblick. Weil in
00:13:24: Claude Code und auch in Claude CoWork arbeitet ihr sehr viel stärker auf einer API.
00:13:30: [Barbara Lampl] In den Chatbot-Anwendungen haben wir normalerweise das komplette — wir nennen das sogenannte Harnesses, also das, was außenrum gebaut ist. Das Tooling herum,
00:13:39: Systemprompt und so weiter, ist in der Chatbot-Anwendung am härtesten. Im CoWork schon weniger, im Code noch weniger, bis du dann eben auf der blanken API
00:13:50: daneben stehst. Deswegen ist die blanke API auch immer noch ganz spannend.
00:13:55: [Barbara Lampl] Sie haben in einem Opus-4.7-Release Task Budget als Beta-Version eingegeben. Das ist, dass du für bestimmte Aufgaben quasi eine Schätzung abgibst, wie viel Token
00:14:05: der Agent für das Abarbeiten dieses Tasks verwenden darf — ein sogenanntes Task Budget. Das soll das Modell limitieren. Und jetzt, wenn ich das wenigstens
00:14:15: erzähle, gucke ich in fragende Gesichter, weil scheinbar keiner die API-Doku durchgelesen hat. So, „Lampl, was sind diese Task Budgets?" Ja, also das ist
00:14:25: genau das. Task Budget ist mit dem Opus-4.7-Release eingeführt worden.
00:14:30: [Barbara Lampl] Das gibt eine Idee, egal, ob ihr das jetzt nutzt oder nicht, dass das ziemlich aus dem Ruder laufen kann. Aber grundsätzlich: Der Opus ist einfach wirklich
00:14:42: anders von der Architektur, anders vom Aufbau. Es gibt zum Beispiel auch kein sogenanntes Extended Thinking mehr im Opus 4.6, sondern es ist jetzt das
00:14:53: sogenannte Adaptive Thinking an. Sie haben beim Opus-4.7-Release relativ hart rumgebaut.
00:14:58: [Barbara Lampl] Das steht aber jetzt im Release-Note nicht drin, insbesondere nicht in der Marketing-Presse-Abteilung. Sondern da: zurück zum glänzenden, schönen Objekt.
00:15:08: Guck mal, ein neues, tolles Modell. Die Umbauten haben sie aus mehreren Gründen getan, weil das Modell besonders bei komplexen Code-Aufgaben wahnsinnig
00:15:19: performant ist — weil es aus einer Anforderungsspezifikation gekommen ist.
00:15:25: [Barbara Lampl] Und jetzt ist was total Witziges passiert. Es gibt ja immer Benchmarking. Bisher war es immer so, dass alle Anthropic-Releases im eigenen Modell-Tooling, also im
00:15:34: eigenen Harness, am besten funktioniert haben. Beim Opus 4.7 merkst du, dass Claude Code überhaupt nicht für den Opus 4.7 optimiert ist, sondern der läuft in
00:15:43: anderen Umgebungen besser als im eigenen Tooling. Auch ein bisschen lustig — wer mit Claude Code arbeitet, denkt sich: Geil, was habt ihr euch denn dabei
00:15:53: gedacht? Im Zweifelsfall nichts.
00:15:55: [Barbara Lampl] Man hat sich dabei schon was gedacht, weil man die anderen Modelle wissend eigentlich die sind, die alle verwenden. Das heißt, die Umgebung ist für die
00:16:05: optimiert. Der 4.7er ist so anders, dass er da nicht reinpasst. Deswegen läuft er in anderem Tooling produktiver, mehr Ergebnisse. Aber Claude Code delivert es
00:16:15: nicht. Heitere Lustigkeiten aus der KI-Welt. Manche vergessen immer: Wir sind eine ganz schöne Nerd-Community. Ihr seid Teil meiner Nerd-Community geworden.
00:16:24: Das sind die Sachen, die wir uns normalerweise angucken, bevor wir irgendwelche Sachen tun.
00:16:30: [Barbara Lampl] Hier einfach mal so der kleine Einblick hinter die Kulissen — und warum der Opus 4.7 zu diesem Effekt wird: Boah, der brennt mir die Token weg. Ja, er ist massiv
00:16:44: anders aufgebaut, hat ganz andere Thinking-Qualitäten im Inneren. Und die Frage, die ich am Anfang mir stellen muss: Warum brauche ich jetzt das Riesenmodell für
00:16:55: meine Pups-Aufgabe? Das sollte ich vielleicht davor noch mal überlegen.
00:17:00: [E-Fuchs] Okay. Und auch wenn ich jetzt denke, ich hätte hier eine riesengroße, komplizierte, komplexe Coding-Aufgabe — ist es besser, mit Opus 4.7 zu
00:17:09: konzipieren und danach in Claude Code auf 4.6 zur Ausführung zu gehen? Weil du jetzt so betont hast, dass...
00:17:18: [Barbara Lampl] Im Zweifelsfall, ja. Ein ganz klassischer Splitter ist Plan versus Execute — das ist immer eine ganz gute Empfehlung. Und auch da: Es gibt halt nicht — ihr kennt
00:17:29: den Spruch von mir schon, wenn ihr schon ein paar Folgen gehört habt, ansonsten hüpft auch mal ein paar Folgen retour, da hört ihr mich folgenden Satz schon
00:17:39: 15.000 Mal sagen: Wir haben in der Data Science das, was wir Problem-Data-Model-Match nennen. Das heißt, das Problem muss zu den Daten und
00:17:48: zum Modell passen.
00:17:50: [Barbara Lampl] Das vergessen die Leute immer ein bisschen, dass es so etwas in euren Chatbots gibt. Das Problem — also das, was du lösen möchtest, übersetzt im Prompt — muss
00:18:00: zu deinen Daten, deinem Kontext passen, und muss dann kombiniert werden, ob das Modell zu diesen beiden Sachen wirklich passt. Das kannst du teilweise einfach
00:18:08: nicht trivial beantworten.
00:18:10: [Barbara Lampl] Ich sage grundsätzlich immer: Je größer das Modell, desto differenzierter wird im Zweifelsfall dein Kontext sein — also zum Beispiel multiple Kontextquellen,
00:18:17: die sich eventuell auch widersprechen. Sprichst du davon, und davon hast du mehrere, sprichst du eher für ein größeres Modell. Wenn du wirklich Dinge hast,
00:18:25: wo du denkst, das ist jetzt für mich schon wahnsinnig komplex zum Durchdenken — wird also auch schwierig sein, dass dir ein Large Language Model folgt. Aber wir
00:18:34: sind halt auch manchmal ein bisschen arrogant und denken, dass wir ein komplexes Problem haben, weil wir nicht wissen, dass jemand anders sich das gar nicht so
00:18:42: komplex ansieht. Da sind wir alle schuldig.
00:18:45: [Barbara Lampl] Aber das führt dazu, warum du dann in Limits, in falsche Anwendungen reinläufst — weil das echt aufwendig ist. Dieses blöde Gehirn will eingesetzt werden.
00:18:56: Völliger Unsinn, also wirklich, ich sag's euch.
00:19:00: [E-Fuchs] Was hat sich noch was verändert beim Opus 4.7, was wir wissen sollten, bevor wir über GPT 5.5 sprechen?
00:19:08: [Barbara Lampl] Definitiv: Wie gesagt, der Tokenizer ist anders. Es gab ein paar Verhaltensveränderungen. Es folgt jetzt Instructions sehr, sehr wörtlich. Tut
00:19:18: es. Es tut es dann aber auch wirklich sehr, sehr wörtlich, was normalerweise der Effekt war. Und das ist genau das, was du beschreibst.
00:19:30: [Barbara Lampl] Du nimmst den Opus 4.7 für — in deiner Welt — eine komplexe Aufgabe. Aus der Welt der KI ist es aber das, was wir „lower effort levels" nennen. Eigentlich
00:19:41: ist es weniger aufwendig aus Sicht des Modells. Und dann fängt das an. Ich kann mich selber beschreiben wie so ein kleiner Autist: Wirklich auf jedes Wort
00:19:51: wirklich sehr ernst zu nehmen, Sarkasmus, Ironie und Metadenken aus.
00:19:55: [Barbara Lampl] Warum ist es so drastisch? Weil wir uns sehr daran gewöhnt haben, dass die Modelle unsere spezifisch unspezifischen Aufgaben generalisiert haben, ohne dass
00:20:04: wir das mitbekommen haben. Und dann die Aufgabe nah dran erfüllt haben — als wir das gemacht haben, weil wir das nie reingemacht haben. Das heißt, dein Prompt,
00:20:15: wenn der zu viele Mini-Fehlstellen hat, dann dreht das durch.
00:20:20: [Barbara Lampl] Davor war das nicht so aufgefallen. Aber bei der neuen Klasse, wo du sie eigentlich designt hast für komplexe Aufgaben, wo das super relevant ist, hast
00:20:29: du nicht mehr diesen harten Effekt, den du mit anderen Modellen — zum Beispiel Opus 4.6 — hast, wo das deine Schlamperei, um es jetzt mal so auszudrücken,
00:20:39: ausgeglichen hat.
00:20:40: [Barbara Lampl] Da steht übrigens — ich kann es euch vorlesen, wir verlinken wie immer in den Show Notes unten. Da steht: „More literal instruction following, particularly at
00:20:51: lower effort levels. The model will not silently generalize an instruction from one item to another and will not infer requests you didn't make." Das steht
00:21:02: explizit in der API-Dokumentation drin. Also kann jetzt keiner sagen: Surprise, surprise.
00:21:08: [Barbara Lampl] Sie haben auch diese wahnsinnige Verbosity ausgeglichen. Das heißt, es gibt jetzt quasi eine Input-Output-Korrelation. Dein Input — ihr merkt schon, es
00:21:16: dreht sich alles um ein Thema: Wie komplex ist die Aufgabe? Denn wenn das Modell denkt, die Aufgabe ist sehr komplex, wird es jetzt länger antworten. Denkt das
00:21:26: Modell, die Aufgabe ist sehr einfach, wird es kürzer antworten. Und nicht immer ist dieser Match von menschlicher Erwartung und Modell gleich.
00:21:35: [Barbara Lampl] Deswegen sind da ein paar Sachen anders, was sie gebaut haben. Relativ viel. Und auch unter anderem, dass weniger Tool-Calls stattfinden. Ihr werdet zum Beispiel
00:21:48: im 4.6er, auch im 4.5er Opus, festgestellt haben, dass egal, was ihr getan habt — das wollte immer ein Word-Dokument schreiben im Artifact-Mode.
00:22:00: [E-Fuchs] Das war eine der ersten Sachen, die ich in Standardanweisungen reingeschrieben habe: Produziere Markdown-Files. Gib mir bloß keine Doc-Files aus, oder ich
00:22:09: schlage dich.
00:22:10: [Barbara Lampl] Genau. Ich bin ja normalerweise nichts, dass ich auf Account-Level schon anfange, was zu ändern, was mich so wahnsinnig gemacht hat. Das ist auch im Opus
00:22:20: 4.7 gefixt worden, dass es weniger Tool-Calls macht. Heißt aber nicht, je nachdem, was ihr für Tool-Calls braucht, dass das auch unbedingt zu eurem
00:22:29: Wunschkonzert passt.
00:22:30: [Barbara Lampl] Lass uns einen Schritt zurückgehen. Der Opus 4.6 ist wohl das Modell, das auch schon einen harten Architektur-Change mitgegangen hat. Ich würde sagen: Im
00:22:40: Vergleich zwischen Opus 4.5, 4.6 und 4.7 ist der Opus 4.6 für geschlampertes Prompten bei halber Vollahnungslosigkeit das beste Modell. Deswegen waren alle
00:22:50: vom 4.6 so begeistert, was das Ding stemmen kann.
00:22:55: [Barbara Lampl] Alle, die davor relativ weit waren, dachten: Ganz geil, aber lange nicht diesen Aha-Effekt. Der 4.7er ist jetzt wieder Brute Force. Wenn du weißt, was du tust:
00:23:06: mega. Wenn nicht: Horror. Und der 4.5er war auch näher dran. Der 4.5er arbeitet die Aufgabe ab — Deepest Reasoning, Feel Thinking. Der 4.6er macht etwas, was
00:23:17: wie ein Subagent-System spannt, das eigene Subagents aufspannt. Diese Subagents haben unsere Unschärfe und unsere Faulheit ausgeglichen.
00:23:25: [Barbara Lampl] Der 4.7er hat das jetzt zurückgerollt und nimmt wieder weniger Subagents. Weil der 4.6er, da er so viele Subagents aufgebrannt hat, wahnsinnig viel Tokens
00:23:35: geballert hat. Was natürlich geil war, insbesondere in den Abos. Da merkst du, dass sie ganz böse die Schraube gedreht haben. Wenn ihr vielleicht mehr
00:23:45: Nerdy-Zuhörer beziehungsweise Foren-, X- und Reddit-Leser seid, dann werdet ihr wissen, dass alle gekotzt haben, dass die Performance vom 4.6 so runtergegangen
00:23:54: ist.
00:23:55: [Barbara Lampl] Ich würde nicht sagen, dass die Performance vom 4.6 runtergegangen ist, sondern sie haben die Anzahl der Subactions, die im Hintergrund aufgesponnen worden ist
00:24:03: für eure Tätigkeiten, an denen ihr geschlampt habt, massiv nach unten gezogen. Das ist das, was viel eher passiert ist. Das schließt mit deiner Frage: Was
00:24:12: machen die denn da eigentlich? Natürlich können sie nach einem Release sehr wohl steuern, wie tief ein Modell arbeitet, wie latent die Inference ist. Du kannst
00:24:22: relativ viel auch nach einem Release noch steuern.
00:24:25: [Barbara Lampl] Das ist sicherlich etwas, was beim 4.6 zu diesem harten Effekt geführt hat: „Der tut ja gar nicht mehr das, was er am Anfang getan hat." Spoiler: Weil anstatt
00:24:37: von 80 Subagents — das ist eine erfundene Zahl —, sind jetzt nur noch 40 im Einsatz, oder nur noch 4. Dann hast du einen massiven gefühlten
00:24:50: Qualitätsverlust. Lag aber eigentlich immer an dir. Altes Layer-8-Problem auch hier.
00:24:55: [E-Fuchs] Ja, klar. Es ist aber so ein Problem, das auch ich noch — in Anführungszeichen, aber wenn man immer da ist —, ich denke so: Wie viele Informationen gebe ich dem
00:25:08: Modell jetzt mit und welche nicht? Wenn ich zu viele Informationen reinballere, gebe ich den Lösungsweg schon so weit vor, dass im Prinzip nichts mehr
00:25:18: verbessert werden kann. Sondern es wird exakt so umgesetzt, wie ich mir das vorgegeben habe.
00:25:25: [E-Fuchs] Deswegen hat man irgendwann mal angefangen, ein bisschen vager zu werden — wenn ich das jetzt mal ganz banal ausdrücke. Weil man wusste, wenn man die
00:25:36: Anweisungen etwas vager hält, kommt mehr Eigenleistung vom Modell dazu. Das ist das, was du jetzt auch beschrieben hast. Wenn die Schwächen in Anführungszeichen
00:25:46: ausgeglichen werden, ja, das ist jetzt halt vollkommen anders.
00:25:50: [Barbara Lampl] Wie gesagt, das ist super spannend. Man muss schon sagen, 4.7 ist eine Bombe. Sie haben echt einen guten Release hingelegt, aber er wird halt auch nicht so
00:26:00: wahrgenommen. Und das werden wir jetzt wahrscheinlich die ganze Zeit wieder sehen. Jedes Mal, wenn Modellreleases sind, die unserer Faulheit und Unfähigkeit
00:26:09: Rechnung tragen, werden wir klatschen. Jedes Mal, wenn Modellreleases kommen, die eigentlich nur für eine sehr ausgebildete — Achtung, ich schmeiße mal einen
00:26:18: ganz coolen Begriff — KI-Elite sind, dann wirst du merken, dass da nicht so viel geklatscht wird.
00:26:25: [E-Fuchs] Ja, kann ich verstehen. Wenn wir Anthropic verlassen und einen Blick auf OpenAI werfen — da hat sich auch was getan. GPT 5.5 ist released worden. Irgendwas, was
00:26:37: ich im Hinterkopf hatte: irgendwie verbesserte Computer-Use-Fähigkeiten, und die Pre-Search hat sich wohl auch irgendwie verändert. Ist es angemessen, jetzt
00:26:46: einen Vergleich zwischen 4.7 und 5.5 herzustellen und zu sagen: So, das sind keine Ahnung — Antworten oder vergleichbare Modelle? Oder sind wir da schon so
00:26:58: weit voneinander entfernt, dass man sich da wirklich komplett mit den Eigenheiten auseinandersetzen muss?
00:27:05: [Barbara Lampl] Sie sind vergleichbar, weil sie auf einem ähnlichen Advanced Level sind, wie weit die Modelle sich weiterentwickelt haben. Sie sind vergleichbar in den
00:27:14: Benchmarks und ihren Capabilities. Aber sie sind völlig unvergleichbar darin, wie OpenAI seine Modelle zwischenzeitlich baut versus wie Anthropic seine
00:27:23: Modelle baut. Die zwei Dinger sind zwischenzeitlich — wir hatten eine ganze Zeit lang, da waren die Modelle, würde ich sagen, auch sehr ähnlich unter der Haube.
00:27:35: [Barbara Lampl] Wirklich so nach dem Motto: Okay, ist irgendwie relativ — ganz am Anfang waren die Trainingsdaten auch noch fast die gleichen. Das haben wir dann als
00:27:45: allererstes verlassen. Aber zwischenzeitlich haben wir sehr starke Architektur-Unterschiede und Differenzen in diesen ganzen Sachen drin. Das ist
00:27:52: definitiv ein großer Unterschied jetzt zwischenzeitlich. Wenn du Opus 4.7 und GPT 5.5 vergleichen willst, dann hast du beides hochperformante Modelle, Closed
00:28:01: Architecture, auch ähnlich gut in den Benchmarks, ähnlich gut in den Aufgaben. Beides im Prinzip für die gleichen Use Cases optimiert, aber zwei völlig
00:28:11: unterschiedliche Ansätze, wie wir in Rom gelandet sind.
00:28:15: [E-Fuchs] Okay. Wenn man jetzt ans praktische Arbeiten denkt: Was muss ich bei 5.5 beachten im Vergleich zu 4.7? Was machen die Brüder da?
00:28:25: [Barbara Lampl] Gar nicht im Vergleich zum 4.7. Das ist gar nicht der Punkt. Sondern OpenAI — auch das für euch in den Show Notes, noch mal ganz lustig: Auf dem Developers
00:28:37: OpenAI Guide hat OpenAI seit langem mal wieder einen GPT-5.5-Prompting Guide rausgegeben, weil sie so rumgebaut haben.
00:28:45: [E-Fuchs] Ein Prompting Guide — den habe ich noch gar nicht gesehen.
00:28:50: [Barbara Lampl] Lese wieder kurz vor — Vorlesestunde heute mit Frau Lampl: „Avoid carrying over every instruction from an older prompt stack. Legacy prompts often over-specify
00:29:02: the process because earlier models needed more help staying on track. With GPT 5.5 that can add noise, narrow the model search space or lead to overly
00:29:16: mechanical answers."
00:29:18: [Barbara Lampl] Ich weiß ja nicht, wie es dir geht — Jochen, hast du die LinkedIn-Diskussion dazu mitbekommen, dass wir die Prompts von GPT 5.4 auf 5.5 alle ändern müssen?
00:29:28: Richtig ist auch nicht. Genau, also total geil. So viel zur fachlichen Validität der KI-Influencer auf LinkedIn — das wäre die relevante Wanda gewesen.
00:29:38: [E-Fuchs] Das ist aber auch scheiß Arbeit, wenn man so eine wertvolle Promptbibliothek mit 100.000 Prompts, die man über zwei Jahre zusammengetragen hat, jetzt auf einmal
00:29:46: alle umschreiben müsste. Also ja, klar, kann man alle in eine KI kippen, aber...
00:29:52: [Barbara Lampl] Hilft nicht so viel, weil du natürlich spezifisch umbauen musst. Es gibt also einen New Prompting Guide — das ist witzigerweise nicht unbedingt im Release von
00:30:03: 4.7 da stattgefunden, aber auch dadurch, dass auch hier die Prompting-Unterschiede ein bisschen lustiger sind.
00:30:10: [Barbara Lampl] Grundsätzlich merkst du: Du musst sauber prompten, musst sauber resultatorientiert arbeiten. GPT 5.5 — auch das ist ein Unterschied zum GPT 5.4
00:30:20: — ist die Frage das gleiche wie beim Opus 4.7 versus Opus 4.6. Und die GPT 5.4 zu 5.5-Diskussion ist: Definitiv brauche ich ein Modell, was mehr Space braucht
00:30:33: — also soll das Modell mehr Arbeit leisten? Eine legitime Variante, besonders bei Research Tasks.
00:30:40: [Barbara Lampl] Beim strategischen Denken, KI als Sparringspartner — mega geil, weil ich weiß ja nicht, was ich nicht weiß. Oder brauche ich eine sehr harte „Hier ist meine
00:30:49: Aufgabe, arbeite die gefälligst ab"? Dann wird es so sein, dass ich auf andere Modelle zugreifen muss. Auch das ist eine Nuancierung, die an der Stelle
00:30:59: relevant ist.
00:31:00: [E-Fuchs] Okay. Was beide dann gemeinsam haben, ist, dass beide Modelle quasi mehr drumherum denken — sowohl der 4.7er als auch der 5.5er.
00:31:15: [Barbara Lampl] Ja, beide Modelle, 4.7er und 5.5er, sind ideal — du musst sie sehr spezifisch prompten. Aber das stimmt gar nicht. Der 4.7er ist eigentlich ideal, wenn du ein
00:31:30: sehr komplexes Problem hast, dir vielleicht noch ein bisschen unsicher über einen Lösungsweg bist, aber eine grobe Idee hast. Das wäre, glaube ich, meine
00:31:42: Variante für einen 4.7er.
00:31:45: [Barbara Lampl] Der 4.6er ist ideal für „Ich habe ein Problem und keinen blassen Schimmer, wie ich hinkomme". Und der 5.5er ist auch eher: Ich habe keine Ahnung, ich kenne das
00:31:55: Problem, aber wie ich die Lösung finde, da würde ich eher auf den 5.5er gehen. Der 5.4er ist ähnlich — würde ich sagen, der GPT 5.4 ist am ehesten vergleichbar
00:32:06: mit dem Opus 4.5. Jetzt kriege ich die Nummern schon auseinander: 5.4 zu 4.5, so ist es in meiner Matrix. Du hast ein Problem, hast auch einen relativ klaren
00:32:17: Plan, wie es abgearbeitet werden soll, willst aber natürlich auf komprimiertes Weltwissen und Ideenformel zurückgreifen — bist aber nicht super darauf
00:32:24: angewiesen.
00:32:25: [E-Fuchs] Okay. Was ich mich gerade frage, ist: Die Skills sollen ja — zumindest zwischen Claude, OpenAI, und ich glaube Google war der Dritte —, dass sie sich diesem
00:32:38: Interoperabilitäts-Coup-Gedönste, von dem ich nicht mehr weiß, wie es heißt, angeschlossen haben — austauschbar sein. Also die Idee ist quasi, dass du deinen
00:32:50: Skill nimmst und ihn woanders hin trägst. Den habe ich noch nie probiert. Werde ich jetzt aber kurz mal probieren.
00:33:00: [E-Fuchs] Weil ich ja so ein Log-System geschrieben habe, ein Backbone, das meine Arbeit lockt. Und jetzt will ich eine Aufgabe an Gemini auslagern, weil das nativ in
00:33:10: Google Workspace stattfindet, und ich es einfach mal instinktiv für besser halte, einen Task, der nativ in Workspace stattfindet, mit Gemini auszuführen,
00:33:18: anstatt mit Claude von außen zuzugreifen. Sondern lieber hergehe und Gemini die Ergebnisse in Richtung Claude liefern lasse.
00:33:25: [E-Fuchs] Dazu muss ich jetzt zum ersten Mal einen Skill portieren von Claude nach Gemini. Bin ich mal gespannt. Auch wenn es da extra ein Konzept dafür gibt, klingt es
00:33:36: ein kleines bisschen verdächtig für mich. Weil die Modelle ja alle ein bisschen anders funktionieren, kann ich ja nicht unbedingt genau das gleiche Ergebnis
00:33:46: erwarten. Ich muss das dann schon ziemlich sorgfältig testen.
00:33:50: [Barbara Lampl] Ja, also das musst du schon sauber evaluieren und testen. Es ist so — auch das in dem heiteren Link auf dem OpenAI Developer Forum — steht auch genau das
00:34:05: drunter: dass Codex die geänderten Sachen in dem OpenAI Skills Repository abbilden kann. Das heißt aber nichts.
00:34:15: [Barbara Lampl] Was das heißt, ist: Du hast einen Prompt, der irgendwo anders gelaufen ist. Wenn du den Skill darüber laufen lässt, dann wird er sicherlich angepasst sein. Das
00:34:25: will ich gar nicht behaupten. Aber ob der jetzt wirklich das Ergebnis liefert, was deinen Qualitätsansprüchen noch entspricht, das kannst du so einfach nicht
00:34:34: sagen.
00:34:35: [Barbara Lampl] Das hat natürlich auch damit zu tun — und das möchte ich an der Stelle, ich muss mich mal kurz selber loben: Ich habe bei allen Kunden und in allen Workshops und
00:34:44: Trainings, in-house wie extern, eine ganz bestimmte Art von Prompt Frameworks und Prompt Templates. Toi, toi, toi. Bis heute halten unsere Templates. Die sind
00:34:52: über die Jahre eigentlich im Prinzip in den Prompting-Ansatz reingefahren, dass unsere Templates wirklich solide halten — das Template hat keine Fehlstellen
00:34:59: oder so was.
00:35:00: [Barbara Lampl] Du kannst aber mit diesem Template dann immer auf dein Modell relativ leicht den Prompt anpassen. Im besten Fall eben in dem Modell, wo du es weiterverwenden
00:35:09: möchtest, das Template anpassen. Und dann hält das wirklich extrem gut. Das ist so der Weg, den ich gefunden habe, indem ich unsere Prompts und die Schulungen
00:35:18: sonst auch sehr templateisiere, sehr mit Frameworks arbeite. Damit hast du eine höhere Stabilität, sodass dieser Skill funktionieren kann.
00:35:25: [Barbara Lampl] Jetzt kommt es aber zu einer Besonderheit, wenn dein Prompt irgendwie ein zusammengezockter Bastel-Prompt ist — im Zweifelsfall ein Kommentar-Prompt, eine
00:35:32: Library runtergeladen, die wiederum jemand anders im Prinzip von jemand anders geklaut, mit der KI aufgeballert hat, und ihr noch drei Sachen ergänzt habt.
00:35:41: Dann hilft dir auch dieser Skill-Transfer das alles nicht. Weil die eigentliche Arbeit, die einen guten Prompt und einen guten Skill ausgemacht hätte, nie
00:35:50: stattgefunden hat. Dann wird dir das irgendwann um die Ohren fliegen.
00:35:55: [Barbara Lampl] Hast du die Templates, dann kannst du Qualität relativ schnell einschätzen, dann kannst du diesen Skill-Transfer drüber laufen lassen und dann gucken, ob das
00:36:03: wirklich solide ist nach vier, fünf Probeläufen. Je nach Aufgabenspezifikation sollte es dann noch fein sein. Dann kann es den Rest durchjagen. Aber ansonsten:
00:36:12: Ja, also das ist da, wo Human in the Loop auch ausnahmsweise mal hingehört — nämlich in die Evaluierung von den Testläufen, damit wir Golden Data erzeugen.
00:36:22: Da gehört Human in the Loop hin.
00:36:25: [E-Fuchs] Okay, ja, spannend. Muss ich mal schauen. Ich habe auf GitHub eine Action konfiguriert, die mir für Skills unterschiedliche Master-Referenzen und
00:36:37: Templates zusammenkopiert. Da liegen so Sachen drin, die ich in allen Skills, die ich baue, immer wieder benutze. Da verändere ich dann das Master, und wenn
00:36:52: ich dann hergehe und Skills neu baue, dann verteilt diese Action das durch.
00:37:00: [E-Fuchs] Ähnlich müsste ich das dann wahrscheinlich machen, wenn ich Skills für einen anderen Agent zu bauen anfange. Weil das Grundgerüst, das per Interoperabilität
00:37:07: gesichert ist, wurde gesagt: Ich messe die Größe von dem Ding, die ist immer gleich, da gibt's eine SKILL.md, da gibt's irgendwelche Ordner, da gibt's was
00:37:15: auch immer — das funktioniert dann immer. Nur die SKILL.md selber, in der die Anweisungen drin sind, die muss man halt auf das Modell anpassen. Und den Rest,
00:37:24: was weiß ich, die Python-Skripts, die zum Beispiel eine API-Anbindung machen, die kann man dann ja einfach weiter mitnehmen. Die funktionieren da genauso wie
00:37:31: hier, das ist ja deterministisch. Da ändert sich nichts dran.
00:37:35: [E-Fuchs] Okay, wir haben außer OpenAI und Anthropic aber natürlich auch noch einen oder mehrere weitere Player. Wir schauen uns aber zumindest einen davon an aus der
00:37:53: östlichen Ecke. DeepSeek V4, V4 Pro, Flash ist rausgekommen.
00:38:00: [Barbara Lampl] Ja, vier — genau. DeepSeek Version 4 ist raus in zwei Varianten. Aber im Gegensatz zu allen bisher genannten ein echtes Open-Source-Modell — kannst du
00:38:11: also auf eigene Hardware zum Laufen bringen. Die anderen sind Closed Models, ist nicht machbar.
00:38:18: [Barbara Lampl] Und ja, aus China kommt momentan genauso wie von allen anderen heute nicht genannten Playern ein Modell-Release nach dem nächsten. Die werden alle immer
00:38:28: besser, schöner, größer — heißt nicht, dass wir sie mobben, sondern die anderen Releases waren alle spannend und interessant, aber sie hatten erstens keine so
00:38:38: architektonisch durchgreifenden Änderungen.
00:38:40: [Barbara Lampl] Man muss ja auch realistisch sein: Wer läuft auf was? Die meisten laufen immer noch auf einer GPT-Welt. Das heißt, der GPT-5.5-Release ist relativ relevant.
00:38:48: Nur für die mehr techy, nerdy Crowd hier — werdet wahrscheinlich alle mehr so wie wir so ein bisschen mehr so Anthropic Fan Girls and Boys sein. Das ist
00:38:59: deswegen für euch Relevanz. Damit kommt eben der DeepSeek-Release noch in die Kette rein — von „Es ist wirklich ein Release gewesen, über den wir sprechen
00:39:08: sollten, warum das relevant ist."
00:39:10: [Barbara Lampl] Es ist auf Seiten der Open-Source-Modelle definitiv — es ist ein bisschen unter... Es hat lange nicht die mediale Wirkung erzeugt wie der R1, also das
00:39:24: erste Reasoning Model. Aber es ist schon in der gleichen Kategorie.
00:39:30: [E-Fuchs] Okay, also ich habe so zwei, drei Sachen, aber ich bin jetzt nicht ganz sicher — weil ich habe mir das stichwortartig notiert und ich bin mir nicht mehr sicher,
00:39:43: ob ich da einen englischen oder einen deutschen Fakt notiert habe: 1,6 Trillion Parameter — war das Trillionen Parameter, also englisch oder deutsch? Trillion,
00:39:54: ne?
00:39:55: [Barbara Lampl] Nee, ich glaube, es müsste Englisch sein. Das ist hochgegangen.
00:40:00: [E-Fuchs] Was ich interessant fand, so aus geopolitischer Sicht, ist: Wenn ich es richtig verstanden habe, läuft DeepSeek jetzt auf Huawei-Ascend-Chips anstatt auf
00:40:09: Nvidia-Chips.
00:40:10: [Barbara Lampl] Richtig. Er ist optimiert für Domestic Chips. Er läuft auf der Huawei Ascend.
00:40:16: [E-Fuchs] Okay, dann hätten wir jetzt ja mal die Frage im Vergleich, ob sich da irgendwas geändert hat. Jetzt mal so banal zu fragen: Das Zeug ist vorher auf Nvidia
00:40:23: gelaufen — was die USA...
00:40:25: [Barbara Lampl] Alles lief, alle trainieren, alle arbeiten auf Nvidia. Richtig. Auch das im Release von GPT 5 — auch noch mal erklärt, auf welcher Nvidia-Architektur die
00:40:35: umgestellt haben. Denn beim GPT 5: kleiner Hinweis, die Inferenz wurde — GPT 5 wurde für Nvidia GB 200 und GB 300 entwickelt. Auch da merkt ihr schon den
00:40:47: Gleichklang mit. Es macht einfach den Unterschied, auf welcher Hardware du entwickelst. Das vergessen die Leute immer.
00:40:55: [Barbara Lampl] Wir wiederholen nochmal: KI ist Mathe in Code auf Hardware. Und die Hardware entscheidet auch einen Teil deiner architektonischen Entscheidung — oder ganz
00:41:04: massive. In dem Fall hat DeepSeek wirklich auf eigener chinesischer Hardware trainiert und gebaut, mit einem Modell, das liefert. Es liefert Aufstand. Es ist
00:41:13: vergleichbar mit allen anderen, die wir gerade diskutiert haben — wirklich eins zu eins vergleichbar. Es ist die gleiche Modell-Cutting-Edge-Frontier — wie auch
00:41:23: immer der Buzzword-Bingo da jetzt genau ist —, wirklich komplett competitive. Mit einer kleinen, sehr interessanten Variante.
00:41:30: [Barbara Lampl] Denn was ein bisschen untergegangen ist, Jochen — das ist gerade schon gesagt: Es gibt einen V4 Pro. Der V4 Pro kostet 1,74575 Dollar für eine Million
00:41:46: Input-Token und 3,48 Dollar für eine Million Output-Token. Das ist massiv günstiger als der Rest.
00:41:55: [E-Fuchs] Ja, entspricht auch, glaube ich, dem Kontext-Window in dem Fall jetzt.
00:42:00: [Barbara Lampl] Auf eine Million Token sind alle Modelle zwischenzeitlich auf eine Maximalanzahl von einer Million Token Input Window optimiert. Noch mal: Es gilt weiterhin,
00:42:11: nicht ausnutzen. Aber das ist mega krass, wie viel günstiger das ist. Der Flash läuft auf 0,14 Dollar Input die Million und 0,28 die Million Output.
00:42:25: [Barbara Lampl] Das ist definitiv — Achtung — und je nachdem, wann ihr diese Folge hört: Falls ihr sie vor dem 5. Mai oder so was hört, gibt es immer 50 Prozent gerade so
00:42:36: Discount drauf. Das ist einfach — darf man an der Stelle nicht vergessen — ein wirklich performantes, total vergleichbares Frontier Model für einen
00:42:44: nachgeschmissenen Preis. Wir würden ablässig sagen: „China billig". Nur leider — das Billige ist hier wirklich nur der Token, nicht die Qualität. Das ist richtig
00:42:53: eine harte Kampfansage.
00:42:55: [E-Fuchs] Ja, das klingt krass. Wo ich gerade innerlich noch kurz dran hängen geblieben bin, ist das mit diesem Kontext-Fenster. Ich bin nämlich neulich über was
00:43:06: gestolpert, was mir nicht bewusst war, und ich nicht so ganz weiß, wie ich es architektonisch einordnen soll. Und zwar ist mir aufgefallen, dass Claude ein
00:43:18: Limit pro Turn hat.
00:43:20: [E-Fuchs] Also ich sitze da, und er schreibt ein Log-File weg. Es war eine mächtige Session, er hat eine Doku ausgespuckt, er hat Code ausgespuckt, er hat noch ein
00:43:29: Dokument dazu ausgespuckt — also das Ding ist relativ groß. Und ich sage ihm jetzt: Machst du bitte noch eine Änderung an dem? Und dann fängt er an zu
00:43:39: stottern und sagt, er muss das jetzt in zwei Stücke reißen, ums hochzuschieben. Nachdem er es in Stücke gerissen hat, mergt er das dann auf der Platte manuell,
00:43:48: macht zwei halbe Dateien, fügt die zwei halben dann als Dateioperation zusammen, anstatt sie durch den Tokenizer laufen zu lassen.
00:43:55: [E-Fuchs] Und ich denke so: What the fuck, was tut er denn da? Er schiebt was auf GitHub hoch — dieses File ist nicht groß genug, um in irgendein Limit zu rennen. Dann
00:44:05: nerve ich rum und suche und frage, und er sagt mir dann: „Ja, aber das sind so und so viele Token pro Turn." Ich glaube, es waren 10.000 oder so, wenn mich
00:44:15: nicht alles täuscht. „Und die hast du überschritten und deswegen muss ich das jetzt in Stücke reißen." Und ich denke so: Ja, super, hab ich gar nicht gewusst.
00:44:25: [Barbara Lampl] Ja, das sind... Genau. Jeder Modellbauer muss seine architektonischen Entscheidungen treffen, wie er mit diesem Riesenkontext umgeht. Irgendwie musst
00:44:33: du eine Möglichkeit finden. Weil in dem Fall hast du ja jetzt schon Input-Token, Output-Token, Input-Token, Output-Token. Du hast also auch noch — jetzt hast du
00:44:46: ja schon jede Menge Kontext. Dein Attention-Mechanismus ist eigentlich schon völlig überfordert und im Arsch. Was machst du jetzt?
00:44:55: [Barbara Lampl] Deswegen ist es unterschiedlich, ob du frisch startest oder tief im Projekt bist. Frischer Start: alles egal. Dann bist du tief im Projekt drin, und auf
00:45:06: einmal fliegt dir die ganze Performance, aber insbesondere die Stabilität, weil dann auf solchen Klotteragsch quasi zurückgegriffen werden muss. Das kannst du
00:45:16: unter Turn-Optimierung machen, du kannst da Token-Limits reinjagen.
00:45:20: [Barbara Lampl] Und jetzt kommt das DeepSeek daher, und ich muss leider mal wieder sagen: Die Chinesen haben in der Vorlesung gut zugehört. Handwerklich exzellent gemacht,
00:45:28: wahnsinnig sauber gebaut. Und zwar haben sie den Attention-Mechanismus mit einer Art Wichtigkeitskonzept versehen. Das heißt, anstatt dass alles, was davor war,
00:45:36: gleich wertvoll ist, was der normale Effekt normalerweise ist, haben sie jetzt gemacht, dass alte Informationen stärker komprimiert werden — weil die
00:45:44: Wahrscheinlichkeit, dass das, was frisch gerade passiert ist, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für den Jochen relevant ist und für mich, als das, was vor
00:45:53: acht Iterationen passiert ist.
00:45:55: [Barbara Lampl] Wenn man sich die Nutzung eines KI-Systems anguckt, entspricht das auch der Realität schön. Das hatte bisher aber keiner gebaut und auch keiner elegant
00:46:03: gebaut und keiner gut gebaut. Deswegen ist der DeepSeek-Release an der Stelle: Chapeau. Das haben sie sehr clever gemacht. Das reduziert die Kosten und auch
00:46:13: die Kosten der großen Long-Context-Windows massiv und sorgt für — aus menschlicher Sicht — eine extrem stabile Performance.
00:46:20: [Barbara Lampl] Weil im Normalfall ist das, was du gerade beschildert hast: Du brauchst jetzt eigentlich nur diesen letzten Scheiß. Dadurch, dass dein armes Modell aber den
00:46:29: ganzen Klotteragsch von vor 20 Minuten noch mitschleppt — also von vor, als ihr die Podcast-Folge mal angefangen habt zu hören —, muss es jetzt irgendeinen Weg
00:46:40: finden. Ich habe das eben unelegant gelöst, und DeepSeek hat das handwerklich extrem elegant gelöst und entschieden: „Naja gut, dann komprimiere ich den alten
00:46:49: Scheiß, den wird der Jochen schon nicht brauchen. Ich nehme den neuen Scheiß und setze meine Attention hart darauf." Und damit ist das sehr viel eleganter
00:46:59: gelöst.
00:47:00: [E-Fuchs] Ja, spannend. Bei Claude versuche ich die Sessions immer so zu dimensionieren, dass ich nicht ins Komprimieren bei CoWork beispielsweise reinlaufe.
00:47:10: [Barbara Lampl] Ja, kann ich auch nur definitiv empfehlen. Es ist auch grundsätzlich unter handwerklichem Arbeiten — nicht nur Shout-out an die Modellbauenden, sondern
00:47:19: handwerkliches Arbeiten ist auch für uns. Data Science: Wir sind sehr viel mehr am Schreinern und am Handwerk dran als an einer Wissenschaft. Manchmal müssen
00:47:30: wir sehr viel beten, und messen müssen wir auch fünfmal.
00:47:35: [Barbara Lampl] Das unterschätzt man, weil die Modelle so gut auf unsere Faulheit und Inkompetenz ausgleichen können — wie das aussieht, wenn der Profi es nutzt.
00:47:45: Kleine Anekdote am Rande: Wir haben eine Session gemacht, Mario Benetimist, liebevoll mein CTO genannt, und ich, wo wir gezeigt haben, wie wir arbeiten.
00:47:55: Weil das konnte sich immer keiner vorstellen, in einem sehr kleinen Rahmen.
00:48:00: [E-Fuchs] Hau da mal aus dem Nähkästchen.
00:48:05: [Barbara Lampl] Der Rahmen war aber, dass alle, die da im Raum saßen, sehr heavy Power User waren und gedacht haben: Was wollen die uns erzählen? Nach so 20 Minuten war
00:48:14: dann der Raum sehr, sehr still. Weil der Output, den wir in kürzester Zeit hochgeprompted und auch gecodet haben — wir haben quasi parallel gearbeitet —,
00:48:23: so anders aussah. Mit so viel kleineren Modellen, mit so viel mehr Speed, mit so viel mehr Stabilität.
00:48:30: [Barbara Lampl] Das unterschätzt man. Kleines Fazit, vielleicht zur Zwischenzeit von der heutigen Session: Modelle sind häufig drauf optimiert, unsere Faulheit und
00:48:43: Inkompetenz auszugleichen. Was Geiles, was aber langfristig sehr teuer wird.
00:48:50: [E-Fuchs] Ja, und es kostet auch Zeit. Ich bin bei mir an einem Punkt angelangt, wo auch Zeit eine Rolle spielt. Selbst wenn ich mit zwei Rechnern gleichzeitig arbeite
00:49:01: und nicht auf irgendwas warten muss, weil das Modell vor sich hin arbeitet, bin ich dann doch irgendwann blockiert. Wenn ich größere Projekte umsetzen will,
00:49:10: frisst das einfach auch mehr Zeit. Deswegen ist es auch einfach wesentlich effizienter, mit einem kleineren, passenderen Modell zu arbeiten, da auf
00:49:19: draufzuklopfen.
00:49:20: [E-Fuchs] Jetzt hatte ich noch irgendwas in Verbindung. Ach ja, genau — ding, ding, ding, die Glühbirne leuchtet: Wenn man sich so eine Arbeitsumgebung eingerichtet
00:49:31: hat... In meinem Fall jetzt beispielsweise: Ich bin häuslich in Claude niedergelassen, mit weiß ich nicht, so... Genau, das ist meine Adresse. Da habe
00:49:43: ich eine ganze Siedlung aus Häusern — Projekte, keine Ahnung, 40 Projekte oder so was. Und dann die ganzen Skills, mit denen ich arbeite. Tralala.
00:49:55: [E-Fuchs] Jetzt habe ich ja vorhin schon erzählt, ich habe so einen Spillover in Richtung Gemini. Ich muss zum ersten Mal irgendwie was im produktiven Workflow von einem
00:50:04: anderen Modell einbauen. Jetzt überlege ich natürlich: Naja, ich könnte auch theoretisch versuchen, mal irgendwie DeepSeek jetzt mal langsam produktiv mit
00:50:12: anzufassen, eine Welt so ein bisschen zu verlassen. Die Schwierigkeit dabei ist natürlich: In meinem Fall jetzt zum Beispiel, mein Backbone Skill, der meine
00:50:21: ganze Arbeit lockt, der funktioniert dann ja auf DeepSeek nicht.
00:50:25: [E-Fuchs] Jetzt bin ich gerade auf die glorreiche Idee gekommen, dass man ja in dem Entwicklermodus von den Entwicklereinstellungen, den ich modus von Claude,
00:50:33: irgendwo einstellen kann, dass der noch andere Modelle reinlässt. Also ich kann da beispielsweise OpenRouter anschließen, und wenn ich OpenRouter anschließe und
00:50:42: da einen Account habe, dann habe ich auf einmal die Modelle, die ich dann über OpenRouter dann freigebe für die Nutzung, drinhängen. Dann kann ich auf meinem
00:50:52: HNS, in Anführungszeichen, DeepSeek drauf loslassen.
00:50:55: [E-Fuchs] Das Erste, was mir da jetzt einfällt, ist: Aber das Ding sitzt dann halt auf lauter Prompts und Skills, die halt eigentlich für Claude...
00:51:05: [Barbara Lampl] Das kann ein bisschen zum Problem werden, es sei denn... Klar, das kann ein bisschen zum Problem werden. Grundsätzlich, wie gesagt: Sind deine Frames,
00:51:13: Prompts, Frameworks, Prompts und deine Skills generell gut strukturiert, ist das Problem eher geringer. Kann aber natürlich — wir haben gerade darüber gesprochen
00:51:21: — manchmal brechen alte Prompts, ist ein bekanntes Problem.
00:51:25: [Barbara Lampl] Was du natürlich trotzdem machen kannst, ist, dass du vielleicht auch sagst: Okay, vielleicht baue ich einfach noch einen Schritt weiter. Ich weiß ja, dass
00:51:32: ich vielleicht irgendwann in irgendwelche Sachen reinlaufe. Vielleicht baue ich aber auch Sachen, die optimiert sind für ein DeepSeek. Vielleicht mache ich
00:51:39: einen Workflow, der vielleicht mehr iterativ ist. DeepSeek ist für mich jetzt so ein Modell, wo ich mir sage: Hä? Das scheint das Modell zu sein, wenn ich
00:51:47: iterativ arbeiten möchte — was ja eine völlig legitime Variante ist, weil ich vielleicht was durchdenken muss, weil ich strategische Vorarbeit aufbauen muss.
00:51:55: [Barbara Lampl] Dann sieht DeepSeek in der Model Description einfach massiv attraktiver aus, weil es meinen historischen Scheiß wegkomprimiert und ich meinen neuen
00:52:04: Klotteragsch drinhabe. Dann würde das eine bestimmte Arbeitsweise reflektieren — von mir aus iteratives Arbeiten. Dann würdest du iteratives Arbeiten über
00:52:13: DeepSeek laufen lassen.
00:52:15: [Barbara Lampl] Ich bin zum Beispiel auch jemand, der sagt: Wenn es schnell gehen muss, nehme ich die kleinen Modelle — Flash, Fast oder Mini, oder wie sie alle heißen —,
00:52:25: weil es muss schnell gehen. Warum soll ich Token brennen, die ich vielleicht in drei Stunden noch für irgendwas anderes brauche, für eine große Aufgabe? Ich
00:52:34: weiß, dass das das hört keiner gerne, aber das macht hinten raus so einen Unterschied.
00:52:40: [Barbara Lampl] Wenn du dann mal verstanden hast: Okay, was haben wir jetzt gelernt über den DeepSeek V4? Naja, also: Super günstig — das könnte eine interessante Variante
00:52:49: sein. Wenn ich irgendjemandem was ballern will, ist es vielleicht einfach interessanter, das über den laufen zu lassen. Da kriege ich ja die Millionen
00:52:57: Token schon mal für einen guten Schnapper.
00:53:00: [Barbara Lampl] Zweitens haben wir gelernt: Es ist anders architektonisch. Das könnte für dich ein Edge sein, aber insbesondere die Kompression im Long Context könnte ein
00:53:08: superspannender Case für iteratives Arbeiten sein. Was haben wir außerdem gelernt? Der Opus 4.7 ist eigentlich — muss ich da für komplexe Aufgaben haben?
00:53:16: Okay, wenn ich riesen komplexe Aufgabe habe, dann nehme ich vielleicht keinen Opus 4.7. Und der 5.5er ist vielleicht irgendwas, wo ich sage: Okay, ich habe
00:53:26: noch nicht so einen richtigen Lösungsweg, dann würde ich den nehmen.
00:53:30: [Barbara Lampl] Das ist halt das, wo man ehrlicherweise sagen muss: Da kommt jetzt Kompetenz über dein eigenes Arbeiten, eigenes Handeln hinein. Dann kannst du die gesamte
00:53:38: Bandbreite ausnutzen. Wir hatten eine Phase, da waren die Modelle alle irgendwie gleich gut und gleich schlecht und viel zu ähnlich in der Architektur, wo es
00:53:47: eigentlich relativ lange völlig wurscht war.
00:53:50: [Barbara Lampl] Übrigens: Der Gemini Thinking ist eines der unterschätzten — also Gemini 3 in Thinking Mode ist eines der besten Research Modelle, die es gibt. Völlig
00:54:00: underrated, wahnsinnig gute Aufgabe von Gemini. Wo du auch solche Sachen hast, wo du sagst: Okay, Pro — hier auch noch ein kleiner Tipp: Gemini 3.1 Pro, wenn
00:54:11: ihr auf multiplen Dokumenten arbeiten müsst. Das Ding ist bei Multi-Source Prompting mega bombengut, massiv teilweise besser als andere Modelle.
00:54:20: [Barbara Lampl] Das muss man alles irgendwo mal wissen, ansonsten kannst du diese Bandbreite, die heute möglich ist, eigentlich nicht ausspielen.
00:54:30: [E-Fuchs] Ja, für mich ist das faszinierend, wenn ich mich an die Anfangsphase, wo ich die ersten kleinen Schritte gemacht habe, zurückerinnere. Da hat man halt alle Tools
00:54:40: aufgemacht. Du hast in jedem Tool irgendwas Neues ausprobiert. Ich habe mit unterschiedlichen Modellen gearbeitet, und je effizienter die Arbeit werden
00:54:48: musste, desto mehr habe ich mich auf Claude konzentriert, weil ich irgendwann keinen Bock mehr hatte, mich ständig mit neuen Besonderheiten von irgendwas
00:54:56: auseinanderzusetzen — und ein und dieselbe Arbeit zu machen.
00:55:00: [E-Fuchs] Nur langsam habe ich das Gefühl, dass ich an den Punkt komme, wo ich darüber nachdenke, einzelne Tasks dann doch mit anderen Modellen zu erledigen. So ein
00:55:09: Punkt, der mir jetzt gerade einfällt, der bei Claude frisst, ist iteratives Arbeiten beim Rapid Prototyping beispielsweise. Wenn ich mich in Richtung eines
00:55:18: Prototypen hinarbeite, dann komme ich irgendwann dahin, und dann fange ich an, dann noch einzelne Punkte davon zu verändern.
00:55:25: [E-Fuchs] Da ist mir egal, wenn er den ganzen Weg bis dahin wegkomprimiert. Wenn wir am Ergebnis weiterarbeiten, da ständig neue Sessions und Session-Übergaben zu
00:55:33: machen — von einer Session zur anderen — ist nervig und kostet Zeit vor allen Dingen. Unterm Strich ist es auch teuer, weil wenn ich so eine Aufgabe lange
00:55:43: laufen lasse, brenne ich da. Bei DeepSeek kommt man da natürlich billiger weg, in Anführungszeichen. Für solche Zwecke könnte man sich dann ja in einem
00:55:52: Claude-Projekt mit DeepSeek-Präfix oder so was hin setzen.
00:55:55: [Barbara Lampl] Genau, Claude — genau das. Du kannst ja wiederfinden genau das. Aber dieser Effekt, den du gerade hast, den hatten wir alle. Noch dazu war die Modelle so
00:56:06: dermaßen — es war wirklich so dermaßen wurscht. Da war halt das am Ende des Tages, wo ich immer sage: Da hat Anthropic auf konstant hoher Qualität geliefert
00:56:17: das, was ich brauche. Was soll ich, mich mit dem anderen Scheiß rumärgern? Jetzt mal ganz pragmatisch praktisch.
00:56:25: [Barbara Lampl] Was wir hier jetzt für euch gerade hoffentlich in dem Podcast näherbringen — wenn wir fünf Meta-Ebenen zurückgehen —, das hat auch, wenn wir es auf
00:56:34: Unternehmensebene verankern, mit dem Maturity-Grad des Unternehmens zu tun. Die meisten Unternehmen sind überhaupt gar nicht an der Stelle dieser Diskussion,
00:56:42: ihr fachlich zu folgen — natürlich schon —, sondern auch: Haben wir eine Evaluations-Plattform gebaut, die unsere Modelle matcht auf unsere Tasks und
00:56:51: Prompts, sodass wir diese Ansagen überhaupt an unsere Mitarbeitenden ausgeben können oder in unseren Agenten-Workflows Kleinstmodell-Optimierung betreiben
00:56:57: können, wissen, wann rolliert worden ist?
00:57:00: [Barbara Lampl] Das ist die produktive Enterprise-Frage, die hinter all dem steht. Die meisten werden jetzt ausgestiegen sein und denken: „Was ist eine Evaluations-Plattform?
00:57:10: Was brauchen wir jetzt für einen Krampf?" Das ist, warum KI in Prod bei den meisten gar nicht liefern kann, weil jetzt definitiv auffällt, was an
00:57:22: Hausaufgaben nicht gemacht worden ist.
00:57:25: [E-Fuchs] Ja, ich kann dir noch folgen. Ich bin vor kurzem auf Eval gestoßen. Ich habe nur, weil ich im Moment so viel Scheiß gleichzeitig laufen lasse und an so
00:57:37: komplexen Sachen einfach arbeite, den Überblick verloren, woher es kam. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es ein Teil des Skill-Creator-Skills ist, oder ob es
00:57:48: was ist, was ich nebenbei irgendwie selber produziert habe — und zwar ein Python-Eval-Script.
00:57:55: [E-Fuchs] Das Script geht her und liest Output. Es lässt einen fertig gebauten Skill ein Beispiel-Input 15 Mal in dem Eval-Script durchlaufen, guckt sich den Output an,
00:58:04: notiert Drift und gibt dann quasi ein Ergebnisprotokoll aus, wo es sagt: Hier so, das hat so und so funktioniert. Wenn man das jetzt auf größer denkt, in
00:58:15: Anführungszeichen, dann würde man sich ja so ein eigenes kleines Harness bauen, sich...
00:58:20: [Barbara Lampl] Streichle klein, streichle klein, groß.
00:58:25: [E-Fuchs] Also eine UI in Anführungszeichen — klein, okay, groß bauen — würde da seine Standard-Prompts aus dem eigenen Arbeitskontext hinterlegen, zum Ausprobieren
00:58:34: halt.
00:58:35: [Barbara Lampl] Also — Barbara verdreht die Augen für diejenigen, die nichts zuschauen, sondern nur zuhören können — okay, bleiben wir beim kleinen Case. Das, was du
00:58:44: beschreibst, ist für dich als Solopreneur in einem kleinen Unternehmen das, was der nächste Evolutionsschritt ist. Ja, Haken dran. In meiner Welt, wo ich auch
00:58:53: im Zweifelsfall die Verantwortung für ein paar Hundert Devs und ein paar Tausend Mitarbeiter habe, funktioniert das so alles nicht. Da müssen wir schon ein paar
00:59:03: andere Entscheidungen treffen.
00:59:05: [Barbara Lampl] Evaluation ist eine AI-Engineering-Aufgabe. Deswegen kommt auch immer dieser Spruch: Human in the Loop ist kein Eval-Konzept. Weil wir genau jetzt — also
00:59:14: lass mich andersrum sagen: Wenn ihr im Unternehmen niemanden habt, der die Antwort sagen kann, für diese Aufgabe, welches Modell soll ich denn jetzt
00:59:23: nehmen, und keiner eine Ad-hoc-Antwort hat, weil es kein Cheatsheet gibt, wo man nachgucken kann, oder irgendjemand das beantworten kann, dann seid ihr an einem
00:59:33: kritischen Punkt eurer KI-Implementierungsstrecke, den ihr dringend angehen müsst, wenn ihr das mit dieser KI-Strategie ernst meint.
00:59:40: [Barbara Lampl] Denn Evaluations-Plattform ist ja das eine. Das, was Jochen gerade beschreibt, ist quasi Chatbot-Arbeit und im CoWork agentic Working. Sobald von euch
00:59:51: irgendjemand auch nur einen einzigen Agenten gebaut hat, dann muss der hart gelockt, geordert und evaluiert werden. Wenn mir da irgendjemand mit mehr als
01:00:03: fünf Mitarbeitern einen Agenten ohne Eval-Plattform ausrollt — das ist eine schlechte Vorstellung.
01:00:10: [E-Fuchs] Ja, also was — in Anführungszeichen — dieses Eval-Script macht, das ähm...
01:00:18: [Barbara Lampl] Das ist ein super hilfreicher und ein super guter erster Schritt. Das ist für kleine Cases super valide, aber das muss sehr viel weiter gedacht werden.
01:00:26: Insbesondere wenn ich mir angucke — auch darüber wird zu wenig geredet. Kleiner Fun Fact: Ich rede da sehr viel drüber, auch schon in 2025. Da merkst du sofort
01:00:35: — ich kann sofort den Maturity-Grad meiner Kunden einschätzen: Wenn die sagen: „Hast du noch da so ein Positionspapier zu Eval-Konzepten in RAG und Agentic
01:00:44: Workflow irgendwann geschrieben, kann ich das mal haben?" Dann weißt du, okay, ich weiß jetzt, was passiert ist.
01:00:50: [E-Fuchs] Verstehe.
01:00:52: [Barbara Lampl] Das stammt aus 2025 und muss dringend angepasst werden. Aber irgendwie — ich bin ja so faul und arbeite ja immer nicht. Jetzt wisst ihr, jetzt ist raus. Ich
01:01:02: komme ja zu nichts, weil ich mich immer so langweile. Das ist heute aufgeflogen, deswegen laufe ich nie in Limits. Es ist endlich aufgeflogen. Die KI soll mal
01:01:13: ein scheiß Paper überarbeiten.
01:01:15: [E-Fuchs] Genau, gib mal Opus 4.7, dann lauf mal ein bisschen Rogue. Ja, spannend. Wenn wir jetzt versuchen, einen Punkt drunter zu machen: China trainiert zunehmend
01:01:26: auf eigenen Chips — das, was ich auf der geopolitischen Ebene für mich festgehalten habe. Sprich, das Einhedgen, was die Amis versucht haben, ist im
01:01:38: Prinzip sinnlos. Das geht den Bach runter. Statt auf Nvidia setzen wir jetzt auf Huawei.
01:01:45: [E-Fuchs] Spannende subversive Frage wäre dann: Wenn sie nicht eingehedgt hätten, hätten sie dann weiter auf Nvidia — was dann wiederum den Wert des amerikanischen
01:01:54: Unternehmens gestützt hätte, statt jetzt zusätzliche Absatzkanäle für Huawei aufzumachen? Aber nun gut.
01:02:00: [Barbara Lampl] Das ist genauso gut wie: Hätten wir das Atomabkommen nicht angezündet? Ich glaube, diese Frage ist offensichtlich. Aber außer anderen philosophischen
01:02:10: Fragen — die klären wir dann in anderen Podcasts.
01:02:15: [E-Fuchs] Ja, definitiv. Was sonst noch gesehen? Extreme Kostenverzerrungen bei chinesischen Modellen haben wir gesehen. Es hat sich viel gewandelt. Alle achten
01:02:25: mehr auf ihre Architekturen und auf den Tokenverbrauch. Kapazität ist im Moment einfach endlich. Bei den Agents bin ich mir noch nicht so ganz sicher — du hast
01:02:39: es vorhin schon erwähnt, dass sie die Anzahl der Agents zurückgebaut haben.
01:02:45: [Barbara Lampl] Das sind die Subagents im Spin im 4.6er und im 4.7er. Das ist eine Multiagent-Architektur, die auf der Architektur des LLMs abläuft. Die haben sie
01:02:56: im Unterschied vom 4.6er zum 4.7er reduziert. Weil das einfach so fucking teuer geworden ist. Weil die Leute halt immer fauler geworden sind. Damit haben sie
01:03:09: immer mehr Agent-Thinking und Reasoning-Inferenzen verbrannt. Das haben sie eingegrenzt. That's it.
01:03:15: [E-Fuchs] Ja, auch eine Performance-Maßnahme. Gut, ja. Haben wir sonst noch irgendwas Spannendes übersehen?
01:03:22: [Barbara Lampl] Nö. Denkt dran: Prompting Guides checken und außerdem richtig lesen.
01:03:30: [E-Fuchs] Dann nehme ich das als Schlusswort. Herzlichen Dank, Barbara, an dich für deine Zeit. Zuhörer, vielen Dank fürs Zuhören. Zuhörer und Zuhörerinnen, wir freuen
01:03:39: uns darauf, wenn ihr beim nächsten Mal wieder bei uns einschaltet. Bis bald, tschüss!
01:03:45: [Barbara Lampl] Bis dann! Bis bald!
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